Ist Dresdens queere Partyszene tot?Auf den Partys der sächsischen Landeshauptstadt hört man es immer wieder, manchmal fühlt es sich auch tatsächlich so an. Vielerorts meinen die Leute, die queere Partyszene Dresdens würde aussterben. Ich als fester Bestandteil dieser Szene habe schon lange gemerkt, dass das Potential für schwule und lesbische Events immer weiter sinkt. Heute möchte ich aber mal direkt analysieren: welche queeren Partys gibt es in Dresden tatsächlich noch? Wo können queere Menschen mit ihren Freunden feiern? (Bitte nimm im Anschluss an das Lesen dieses Artikels an der zugehörigen Umfrage teil.)

Natürlich ist die queere Partyszene in Dresden nicht komplett tot. Wir haben 9 regelmäßige Veranstaltungsreihen. (Ich hoffe, ich habe keine vergessen. Wenn doch, schreibt mir einfach eine Mail, damit ich die fehlenden Veranstaltungen ergänzen kann.) Für diese Auflistung habe ich die Veranstaltungen – der Fairness halber – alphabetisch geordnet.

Als erstes kommt eine Veranstaltung, die man eigentlich nicht als eigenständige Partyreihe bezeichnen kann. Da sie aber jeden Monat unglaublich viele Menschen bewegt und sich fest etabliert hat, möchte ich sie nicht unerwähnt lassen. Die Rede ist von der Boys Karaokeparty. Jeden Monat findet das fröhliche Laien-Singen in der Boys Bar auf der Alaunstraße statt, immer wieder platzt der Laden dabei aus allen Nähten.  Das Karaoke funktioniert, weiß nicht nur die Boys Bar. Das Konzept der Karaoke findet sich auch innerhalb der queeren Szene auf der sHe-Party wieder, auf die ich im späteren Verlauf eingehen werde. Muntere Singen wechselt sich auf diesem Event mit kurzen DJ-Blöcken ab. Das Publikum mischt sich hier gut aus Schwulen, Lesben und deren Freunden.

Weiter geht es mit der Party, die in Dresden momentan die meisten Menschen bewegt. Die Boytox, welche mittlerweile im vierten Jahr im Gisela.Club läuft, arbeitet mit einem 2-Floor-Konzept. Im Wohnzimmer gibt es Popmusik, in der Garage laufen elektronische Beats. Besonders ist hierbei, dass die Party sich besonders stark mit den Initiatoren Nick Martinez und Tiffy van Kay verwoben hat. Ohne die beiden wäre eine Boytox undenkbar, vom Charme beider profitiert auch die Party. Hier sind die Gäste überwiegend männlich.

Party Nummer drei gibt es schon seit 20 Jahren. Die Disco WoAnders findet jeden Monat im Studentenclub Bärenzwinger statt. Sie richtet sich – schon alleine durch den Club und die Getränkepreise – an ein studentisches Publikum, wird aber auch von Popmusik-Liebhabern gerne besucht. In den letzten Jahren hat sich die DW immer mehr zum Familientreffen entwickelt. Getanzt wird auf einem Floor, das Publikum ist hauptsächlich männlich.

Der Girls Club hat sich ebenfalls über die Jahre etabliert. Im Neustadtclub Lofthouse finden sich hier in unregelmäßigen Abständen die Lesben und deren Freunde zusammen. Auf einem großen Floor kann hier zu allem was Spaß macht getanzt werden. Durch die relativ unregelmäßige und seltene Ausrichtung dieses Events kommt hier ein großer Teil des lesbischen Partyvolks zusammen.

Die Love Celebration ist erst seit kurzem wieder in Dresden am Start. In Abständen von zwei Monaten soll das Event nun im Eventwerk statt finden, bis jetzt gab es zwei Ausgaben. Da das Konzept durch den frischen Start noch in der Entwicklung steckt, kann ich keine genauen Angaben zum Partyumfang machen, zuletzt wurde mit zwei Floors (Mainfloor mit Pop und Dance, Electrofloor) gearbeitet, das Publikum war überwegend männlich und schwul. Da die Love Celebration noch relativ neu zurück am Markt ist, bieten sich hier viele Chancen, die Party mit zu gestalten und die weitere Entwicklung zu beeinflussen.

Ebenfalls im Eventwerk und seit mittlerweilen 10 Jahren existent ist die sHe-Party. Auf 2 Floors (Mainfloor mit Pop, Dance & RnB und Karaokefloor) feiern hier Schwule und Lesben gleichermaßen exzessiv. Nachdem die Party in der Vergangenheit viele Clubwechsel und schwankende Besucherzahlen belastet haben, hat sie nun seit einiger Zeit einen festen Platz innerhalb der Szene gewonnen und ist nach der Boytox die zweiterfolgreichste kommerzielle Veranstaltung.

Die the Art of rEVOLution ist eine eher unkommerzielle Undergroundparty, die seit einigen Jahren im Sabotage Dresden statt findet. Auch hier sind Schwule und Lesben gleichermaßen vertreten, die Musikauswahl und der Flooraufbau ändern sich regelmäßig, außerdem sind auch Kunst und Gestaltung ein wesentliches Stilelement der Veranstaltungsreihe. Wo die Party allerdings nach der Schließung des Sabotage weiterfeiern wird, konnte ich nicht recherchieren.

Ein wichtiger Teil der queeren Szene ist nach wie vor die Think Pink, früher einmal die größte Party der Schwulenszene. Heute findet sie leider nur noch unregelmäßig statt. Bestechend sind dabei die Getränkepreise (1 € / Drink) und das Lineup (regionale und überregionale DJs aus dem elektronischen Bereich und dem Popbereich). Einen festen Club hat die Think Pink dabei schon lange nicht mehr, trotzdem begeistert sie nach wie vor sowohl Schwule als auch Lesben.

Zu guter letzt möchte ich auch die XXY_ noch erwähnen, eine Partyreihe, die ich selber leider bisher noch nicht besucht habe. Sie fand bislang im TBA am Bahnhof Neustadt statt, die nächste Veranstaltung ist im objekt klein a geplant. Leider kann ich euch über diese Party nicht viel sagen, da ich – wie bereits erwähnt – selber noch nicht da war.

Ihr merkt es selber: 9 mehr oder weniger regelmäßige Partyreihen hat die queere Partyszene in Dresden immer noch. Wie ist die Szene für euch? Verratet es mir gerne in dieser kurzen Umfrage.