Kolumne Dresden

Die Vögel zwitschern, die ersten Restaurant-Betreiber stellen bereits hoch motiviert die Gartenmöbel raus und platzieren fröhliche Frühlingsdeko. Mir ist immer noch arschkalt draußen und meine Nippel wühlen sich von innen durch das Innenfutter meines BHs. Sei es drum… ich bin in Lästerlaune… und Material gibt es wie immer genug.

Musikpark DresdenZu Beginn erstmal eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist: der Musikpark schließt. Die schlechte: es besteht noch Hoffnung. Nach einem ewigen Kampf gegen Wasserschäden hat die TLG IMMOBILIEN AG nun den Mietvertrag gekündigt – wegen Zahlungsrückständen.  Die verwundern mich wirklich: das letzte Jahr hat der Mupa nahezu auf jeder Veranstaltung kistenweise Alkohol verschenkt um den Club voll zu bekommen… wie kann man denn damit Miese machen? Wie auch immer… im April findet vorerst noch mal der „Musikpark on Tour“ (siehe hier) statt. Schauen wir mal, wie es dann weiter geht.

Ohne starken Wasser- aber mit leichtem Dachschaden wird es Ende März revolutionär im Pier15. Der E&E-Club versucht mit noch nie dagewesenen Mitteln, die P16-Zielgruppe in den Club zu ziehen und nennt das ganze Konzept – wie kreativ – „Revolution“ Und um die komplette Partywelt umzukrempeln hat sich der Veranstalter so einige – nie dagewesene – Features einfallen lassen… ich weiß vor lauter Innovation gar nicht, wo ich anfangen soll. Da hätten wir…

  • House- und Black-Music. Auf der selben Party! Wirklich.
  • Ein Glücksrad. Mit Gewinnen. Ihr dreht also nicht umsonst und aus langer Weile, nein, es gibt Preise dafür. Wenn das die Schaustellerszene erfährt, dann macht das sicher bald jeder so.
  • Festivalbänder am Einlass. So richtig aus Stoff und so. Gerade im P16-Sektor eine Weltneuheit, habe ich gehört.
  • Okay, jetzt wird es wirklich revolutionär. Jungs bekommen vergünstigten Eintritt. Nicht die Mädels, wie sonst auf jeder Party. Zeit wird’s, ich als Transe such‘ mir aber sowieso immer aus, welches Geschlecht ich Rabatt-bedingt an welchem Tag bin.
  • Es gibt doch tatsächlich freien Eintritt für Geburtstagskinder… Also wirklich! Wenn das jeder machen würde…
  • Schnallt euch an, haltet euch fest, 3… 2… 1… Embryonalstellung. Der Veranstalter bietet… und das ist kein Witz… CO2-Kanonen UND Konfetti. BEIDES!!!111Einself

Machen wir uns nichts vor, das wird das Dresdner Nachtleben ganz schön umkrempeln. Alle werden diesen fantastischen Ideen nacheifern, ich wette darauf. Aber Klartext: liebe E&E, tut euch doch mal mit dem Studio One zusammen und vermischt eure ganzen geklauten langweiligen Einheitskonzepte… vielleicht kommt dann endlich mal was Neues raus.

Wenn wir gerade einmal beim Thema Ideendiebstahl sind… mir ist aufgefallen, dass es dieses Jahr zum zweiten Mal das „1. Street Food Festival“ in Dresden gibt. Zuerst dachte ich an einen Fehler seitens des Veranstalters, für den ich 2016 auch spielen durfte, aber nein: das neue „1. Street Food Festival“ ist von einer anderen Eventfirma, simpel abgekupfert. Dahinter steckt die Magdeburger Firma Crowdevent, die auch für das Neonsplash verantwortlich ist. Na dann: viel Spaß beim Kopieren. Möge das bessere Street Food gewinnen.

Es gibt einen Club in Dresden, der hat Potential, zieht sein Programm jedes Wochenende durch und bieten sogar ein akzeptables Lineup. Leider kriegt man vom MyHouse nicht wirklich etwas mit. Ja, das MyHouse gibt es noch – und ich war überrascht. Als der Club 2014 eröffnete waren die Erwartungen groß. Viele erhofften sich eine Alternative zu Kraftwerk Mitte, Purobeach und Pier15. Das Feedback sah auch gut aus, nun hört man aber so gut wie gar nichts mehr. Bei meiner Recherche für diese Kolumne fiel mir auf: das MyHouse macht sogar kräftig Werbung, sogar außerhalb des Internets, in Flyerform. Die ist mir vor der gezielten Suche aber nie aufgefallen. Also: krempelt euer Werbekonzept um, liebe MyHouse-Crew. Dann wird das schon wieder!

Abschließend noch eine Bitte an alle Verzweifelten, Wütenden und Aufgebrachten da draußen… egal ob ihr Montags mit mehreren hundert anderen Rentnern gegen die „falsche Hautfarbe“ spazieren geht, ihr wütend mit brennenden Lappen in Flaschen nach veganen Supermärkten werft oder ihr gegen das Aussterben von Dinkel-Gingseng-Kichererbsen-Suppe demonstriert. Geht einfach mal wieder des Nachts aus dem Haus, feiert mit anderen Menschen, trinkt und habt Spaß. Das entspannt ungemein, glaubt mir.