Bei meinem Job als DJane bin ich mittlerweile schon den verschiedensten Bookern und Veranstaltern begegnet. Damit es nun wirklich alle verstehen möchte ich mit diesem kleinen Leitfaden auch dem letzten erklären, wie der Hase läuft. Wir stellen uns also das ideale Booking als kleine Geschichte vor.

Sonntag um 9.30 Uhr klingelt das Handy. Am anderen Ende der Leitung: der beste Veranstalter der Welt. Es geht um eine Party. Nein? Doch! Oh! Könnte ich mir vorstellen da aufzulegen? Nun ja, Sonntag um 9.30 Uhr hält sich meine Vorstellungskraft in Grenzen, natürlich bin ich für dieses Booking zu haben. Termin? Irgendwann im September, ist noch nicht ganz raus. Kein Problem! Ich halt mir den ganzen September frei. Gagewas ist noch mal Gage? Ach ja. Nun ja… Budget ist nicht viel da, aber es gibt auf jeden Fall Freigetränke. Gott sei Dank, denn normalerweise bezahle ich auf meinen Gigs alles selber, natürlich zum doppelten Preis. Ob dreißig Euro Aufwandsentschädigung okay sind? Lieber nicht so viel, Reichtum verdirbt nur den Charakter. Was ich an Technik brauche? Nun ja, ein gutes Mischpult und eine Monitorbox reichen zu. „Ist vor Ort, kein Thema.“ Infos zum Hotel erhalte ich später, um Late-Check-In kümmert man sich, vom Hotel werde ich abgeholt, alles klar.

Einige Wochen später, im Oktober… Erst checke ich in der vom Veranstalter gebuchten Jugendherberge ein. Im Zimmer erwartet mich der Warmup-DJ, „voll blöd, dass die für uns nur ein Zimmer gebucht haben“ – sag bloß. Noch mal aufs Ohr gehauen, schon steht die Nacht über dem Haus und der Gig vor der Tür. Anruf beim Veranstalter, okay, man schafft es doch nicht, mich vom Hotel abzuholen. Was soll’s, das Taxigeld bekomme ich „definitiv wieder“. Im Club abgekommen weiß erst einmal keiner, wer ich bin. „Du bist der DJ? Da könnte ja jeder kommen.“ – Klar, ich trage ganzjährig DJ-Equipment über der Schulter, einfach um cool auszusehen. Schwer? Ach, die paar Kilo. Ah, Getränkemarken, ja. Vier Stück, zwei brauche ich pro Getränk – dann bin ich ja bis 5 Uhr gut versorgt. Ab zum Soundcheck – was fehlt? Die Monitorbox „haben wir leider vergessen“, das Mischpult kann alles, nur nicht die Dinge, die ich brauche… Egal, Gig durch gezogen, versucht, das Taxigeld zurück zu fordern – „Schreib uns dazu die Tage noch mal eine Email mit deiner Bankverbindung.“, Gage in Münzen erhalten und zurück in die Jugendherberge.

Genau so wünsche ich mir in Zukunft jeden Gig. Gute Nacht, liebes Tagebuch.

Kategorien: Nachtleben

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.